Glossar

Bali Roadmap

Das weltweite Tauziehen um Entwicklung und Emission hat seinen Niederschlag in zwei völkerrechtlichen Verträgen gefunden: der Klimarahmenkonvention der UN von 1992 (UNFCCC) und dem Kyoto-Protokoll von 1997.
Heute, 2008, ist bekannt, dass das Kyoto-Protokoll sowohl hinsichtlich ökologischer Gerechtigkeit aber auch etwa hinsichtlich der Verteilung der Emissionsrechte verbessert werden muss. Das eingeschriebene Verteilungsprinzip - wer zuerst kommt, mahlt zuerst - zementiert die Wohlstandsklüfte in der Welt. In „Cooling down“ wird dies durch die innere Zuordnung der Katastrophenkarten angedeutet.

CO2 Sprung

Im Spiel wird damit die Befürchtung simuliert, dass mit der abnehmenden Fähigkeit einer natürlichen Absorption des CO2 eine „schlagartige“ Veränderung von Klimakonstanten – etwa schnelleres Abschmelzen des Grönlandeises – nicht ausgeschlossen ist.

CO2-Verschmutzungspunkte

Jede Weltregion hat V. bekommen, die Summe aller V. liegt in der Größenordnung der Prognose, die der Weltklimarat in seinem B1 Szenario für das Jahr 2050 annimmt, etwa 740 Milliarden Tonnen CO2 werden danach weltweit emittiert.

Emissionshandel

Mit Beginn des Jahres 2005 hat Deutschland und die EU ein neues Instrument für den Klimaschutz eingeführt, den E. für das Treibhausgas CO2.
Idee: Der Ausstoß von CO2, das Kraftwerke und andere Industrieanlagen an die Umwelt abgeben, soll kosteneffizient vermindert werden.
Das Prinzip: Die Betreiber dieser Anlagen erhalten kostenlos Zertifikate, diese berechtigen zum Ausstoß einer genau festgelegten Menge an CO2 – damit soll ökonomische Flexibilität ermöglicht werden.
Im Spiel stehen dafür die Strategien CDM und JI:
Der Clean Development Mechanism – der Mechanismus für umweltgerechte Entwicklung zwischen reichen und armen Ländern – und der Joint Implementation – gemeint ist die „gemeinsame Umsetzung“ von Klimaschutmaßnahmen zwischen reichen Ländern – sind typische Strategien des E.

Faktor 4 Strategie

"Faktor 4" ist die Formel für eine neue Richtung des technischen Fortschritts („Effizienzrevolution“). Eine Verdopplung des Wohlstands bei gleichzeitiger Halbierung des Naturverbrauchs ist danach möglich. Die effizientere Nutzung der natürlichen Ressourcen ist dazu ein wichtiges Instrument. Vergeudung von Ressourcen darf sich nicht mehr lohnen. „Cooling down!“ setzt dies mit einer eigenen Strategie um.

„Feuerlinie“

Mit Überschreiten der F. wird – symbolisch im Spiel - die international anerkannte „2-Grad-Celsius-Leitplanke“ überschritten - was in der Realität nicht geschehen sollte. Danach würde es, so die langfristigen Klimamodelle, zu einer noch weitaus gefährlicheren Erhöhung der globalen Temperatur führen und die → Unregierbarkeit erhöhen.

Frühwarnung

Zu den Aufgaben des UN-Sekretariates “Early Warning” gehört auch die Förderung des öffentlichen Bewusstseins im Sinne eines “Bereit-seins” – die nächste Naturkatastrophe kann jederzeit kommen. Es geht darum, frühzeitig gewarnt zu werden, um zu wissen, was als nächstes dann getan werden muss, im Falle eienr hereinstürzenden oder erwarteten Katastrophe.

„GLOBALES-CARBON-REGIME“

Nationale Maßnahmen der Regierung reichen nicht aus, um zu einer Abbau der Treibhausgase zu kommen. Ein weltweit ausgelegtes Regime, ausgestattet mit exekutiven Rechten, legt nach Überschreiten der „Feuerlinie“ ein „2 Grad Crash Programm“ auf; damit wird es gelingen, die Emissionen jährlich um 5 Prozent herunter zu drücken. Trotzdem, auch wenn es bis 2050 gelingen sollte, eine CO2 Konzentrationsstufe von 410 ppm zu erreichen, wird es immer noch ein Risiko von 9 bis 26% geben, dass die „2 Grad Linie“ doch überschritten wird.

Good Governance

...wird häufig mit „guter“ bzw. verantwortungsvoller Regierungsführung übersetzt. Gemeint ist damit, wie in einem Staat Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. „Gutes Regieren“ – hier auch als „Regierungskunst“ gemeint - umfasst das Handeln der Regierungen wie auch das Zusammenspiel von Staat und Zivilgesellschaft.

„Green Washing“

... so tun als ob! Dahinter steht: Wirkender Klimaschutz ist noch nicht angekommen. Es wird so getan, als wenn etwas getan würde. Eigentlich möchte man sein altes Kerngeschäft, sein altes Verhalten unberührt weiter betreiben. Beispiel: Wenn einer 3 schöne, teure aber sehr CO2 intensive Autos in der Garage hat – dann aber seine Garage mit einer Solarlampe erhellt, dann geht dies an den eigentlichen Anforderungen an Klimaschutz vorbei – sich nämlich CO2 freundliche Autos anzuschaffen.

Katastrophenvorsorge

Klimainduzierte gesellschaftliche Destabilisierungen in den betroffenen Weltregionen können kaum durch die klassische, militärische Sicherheitspolitik gelöst werden. Notwendig sind ergänzende Strategien, die auf die Anpassung an einen unvermeidlichen Klimawandel ausgerichtet sind – und im Spiel durch die Strategie einer „Globalen Klimaschutzpolitik“ abgedeckt wird.

Keeling Kurve

Charles Keeling – ein Amerikaner – war der Erste, der das Ein- und Ausatmen der Erde, bezogen auf CO2, gemessen hat. Seit 1958 steht auf Mauna Loa in Hawaii diese Messstation. Die K. hat einen charakteristischen Verlauf: Von Mai bis Oktober sinken die CO2 Werte, nämlich dann, wenn Bäume und Pflanzen in der Nordhälfte der Erde CO2 einatmen, die sie zu ihrem Wachstum brauchen. Für den Rest des Jahres steigen aber die CO2 Werte wieder, weil dann, wenn die Blätter fallen undd sich zersetzen, also im Herbst, CO2 freigesetzt wird. Jedes Jahr allerdings erhält die K. einen höheren Wert, eben weil die Milliarden Menschen auf der Erde, besonders aber die Menschen in „modernen“ Gesellschaften, besonders viel CO2 in die Atmosphäre blasen.

Klimafond

Wie in der Realität so auch in „Cooling down!“ übernimmt der K. die Aufgabe, die direkte oder indirekte Anpassung an den Klimawandel in den Entwicklungsländern und Schwellenländern finanziell zu ermöglichen – mit Hilfe von Geldern aus den reichen Ländern, wie dies im Kyoto-Protokoll vorgesehen ist. Versäumt wurde, den K. an Kriterien der →Gerechtigkeit zu binden.

Klimagerechtigkeit

Gerechtigkeit ist im modernen Bewusstsein verteilende Gerechtigkeit von gemeinsam produzierten Gütern. Die Natur und ihre Ressourcen  – wie etwa die Atmosphäre – ist aber nicht gemeinsam herstellbar, sie wird aber zunehmend gemeinsam verschmutzt oder gar zerstört. Der „westliche“ Zivilisationsprozess ist auf permanenten Ressourcenabbau angewiesen.
Unter den Folgeschäden dieses Entwicklungstyps leiden die armen Länder des Südens und Ostens eindeutig mehr. Besonders Rettungsboot 4 steht im Spiel für einen Ausgleich durch K.

Kuhdung-Zukunft – „Rettungsboot 1“

Als Kuhdung werden die Exkremente der Kühe bezeichnet. Der „Kuhfladen“ wird in den europäischen Alpen, Teilen der Türkei, Afrikas, Indien, China genutzt als Isoliermaterial, als organisches Baumaterial, als wertvoller landwirtschaftlicher Dünger, als Energiequelle, als Heilmittel. Verdünnt mit Wasser werden in Indien damit die Vorplätze von Hütten und Tempeln gereinigt, um so eine natürliche, hygienische Sperre gegen Kleinlebewesen zu haben, aber auch, weil dieses „heilige Wasser“ guten Nährboden für diese heiligen Tiere darstellt – so ein Aspekt des hinduistischen Weltverständnis.
Die Dramaturgie von „Cooling down!“ macht diese Zukunft – in „Rettungsboot 1“ - für eine Mehrheit der Weltfamilie möglich – je nach Verlauf des Spieles!

Lyrik

Der Dichtkunst gehört mit Recht ein eigenes Rettungsboot. Es ist die Kunst, Literatur wie Lyrik, sie beflügelt das Denken, sie fördert das Denken in Bildern, öffnet Inspirationen und Intuitionen eine Chance, das Denken in Sackgassen, in verfestigten Formen, also das tote Denken in Bewegung zubringen. In Prozessen zu denken, macht das Denken in Visionen wie große Träume zu träumen möglich. Es kann sein, dass dann, wenn dieses Rettungsboot zum Einsatz kommt, dann, wenn alles heutige Denken nicht oder zuwenig geholfen hat, dann muss die Phantasie ran, ein Denken außerhalb der Box – im menschlichen Geist liegen die großen Potentiale der noch zu entdeckenden CO2-freundlichen Zukünfte.

Nachhaltigkeit    

Die Idee der „nachhaltigen Entwicklung“ lässt sich in Deutschland bis ins Jahr 1713 zurückverfolgen. Gegenwärtig verliert diese Idee aber an Bedeutung, da „nachhaltig“ (fast) überall angehängt wird. „Nachhaltigkeit“ meint so etwas wie  Zukunftsverantwortung, faire Hinterlassenschaft.
„Es soll zukünftigen Generationen alles in allem nicht schlechter gehen als uns heute.“
Keine Generation ist gegenüber der nächsten Generation etwas Besonderes.

Ökologische Gerechtigkeit

Ö-G. ist präziser als →Nachhaltigkeit. Noch gibt es keine Theorie der ö-G., sicher ist aber, dass sie Bestandteil der sozialen Gerechtigkeit sein muss.
Ein gesellschaftlicher Zustand ist ökologisch gerecht, wenn

  1. jeder dieselben Chancen hat, knappe Umweltressourcen zu erhalten,
  2. die Rechte hinsichtlich einer gesunden Umwelt erfüllt sind → ökol- Menschenrechte
  3. die Gestaltung der Umwelt den ökologischen Standards der Gemeinschaft entspricht.

Ökologische Menschenrechte

Rechte auf Mindeststandards für gesunde und ungefährliche Umwelt (Luft, Wasser, Strahlung, Lärm etc.) → 4 Rettungsboote

„Rote Liste“

Unter der R. versteht man die von der „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (IUCN) jährlich im Internet veröffentlichte Liste weltweit gefährdeter Tier- und Pflanzen-Arten. Ursache des fortschreitenden Verschwindens von Tier- und Pflanzenarten sind vor allem menschliche Zivilisationsaktivitäten.

“Roter Ozean”

Rot ist die Alarmfarbe: Der “Rote Ozean” auf der Rückseite des Spielbrettes ist eine Einladung zum “um die Ecke denken”: Die Weltmeere kommen nach und nach .- wie die Atmosphäre – an ihre Belastungsgrenzen. Der laufende Prozess der Versäuerung des Meerwasser – auch durch CO2 - greift die Nahrungskette der Meerestiere und damit indirekt auch des Menschen an.

“Saraswati” – Rückseite der “Globalen Klimastrategie”

“Wissenschaft, Handwerk und Technik der Dinge sind das Gebiet von S. Immer bewahrt sie in ihrer Natur das gründliche und genaue Wissen, die Feinfühligkeit und Geduld, die Treffsicherheit des intuitiven Geistes, der bewussten Hand und des unterscheidenden Auges des vollendeten Arbeiters.” Sri Aurobindo

Schwellenländer

Als S. werden jene Länder der Welt bezeichnet – zumeist China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika – ,die im Übergang, also an der Schwelle stehen, durch ihre rasche Industrialisierung und ihrem rasch wachsenden CO2-Emissionsniveau den klassischen Industrieländern des Westens dicht auf den Fersen zu sein. Im Spiel: „Die schmutzigen 13“.

Solar&Spar

S&S ist ein deutsches Leuchtturmprojekt: Es verzinst das finanzielle Engagement des Bürgers durch Erlöse bei der Energieeinsparung – wie sie etwa durch den Einsatz von Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Schulen erreichbar sind.

Sozialer Unternehmer

... dieser neue Typus des Unternehmers verfolgt sowohl soziale und unternehmerische Ziele. So verfolgt er etwa in Kooperation mit dem Staat ökologische Ziele – genannt auch PPP, „Public-Private-Partnership“. Gewinne werden nicht zu privatisiert, sondern erneut für soziale Zwecke investiert. Muhammed Yunus, der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2006, steht als großes Beispiel für diese Art des „Sozialen Business“.
In „Cooling down!“ gehört diesem zukunftsorientierten Unternehmenstypus eine eigene Strategie.

Treibhausgas Effekt

Zentrale Treibhausgase sind Kohlendioxid (CO2) zu 50% in der Atmosphäre enthalten; Methan (CH4): 18%; Stickstoff (Lachgas) (N2O): 6%.

UNION Demokratie

... die Wahrheit kommt ab 2035 – in der Realität wie im Spiel: Dann zeigt sich, ob die heute, nach 2007, diskutierten zumeist technologischen Programme zur CO2 Reduktion gegriffen haben. Dann, wenn – im Spiel – das „GLOBALE-CARBON-REGIME“ seine Aufgaben erledigt hat, und das „WELTPARLAMENT“ für mehr soziale und ökologische Gerechtigkeit auf der Welt gesorgt hat, dann beginnen die Menschen sich endlich als „Menschenfamilie“ im Sinne der menschlichen Einheit zu verstehen.
Neue Formen einer gerechten Demokratie, einer UNION der „menschlichen Einheit“, wird auch dem Recht der Pflanzen, dem Recht der Tiere, wird „Mutter Erde“ wie „Bruder Atmosphäre“ eine Chance geben, „gehört“ zu werden – erst damit kann sich ein neuer Zivilisationstypus entfalten, dann bestimmen nachhaltige Lebensweisen die Zukunft der Menschheit.

Überlebensemissionen

Die arme Bäuerin in Bengalen kann nicht in gleichem Maße für den vom Menschen verursachten Klimawandel zur Verantwortung gezogen werden wie jener Autofahrer, der ein Auto fährt mit CO2-Emissionen oberhalb des zulässigen Grenzwertes von 120 gCO2/km.

„Weiche Staaten“

W. sind kaum in der Lage die eigene Bevölkerung vor den Folgen
des Klimawandels zu schützen. Die Regierung ist, schwach, sie ist
nicht in der Lage, die Korruption einzudämmen, Katastrophenvorsorge
ist unterentwickelt, kaum Pressefreiheit.
Siehe dazu auch die Katastrophenkarten in „Cooling down!“

Wetter und Klima

W. ist das, was jeden Tag um uns passiert: Sonne, Regen, Temperatur, Feuchtigkeit – mal mehr mal weniger, eine Vorhersage gar nur über wenige Tage ist sehr schwierig; von K. wird gesprochen, wenn das stablie Wetterverhalten über einen langen, bis sehr langen Zeitraum angesprochen wird.
W. ist wie das Kochen von Wasser: die nächste aufsteigende Wasserblase ist nicht vorhersehbar; K. ist wie das Wetter im Hochgebirge, es lässt sich – manchmal – lange als stabil vorhersagen.