Otto Ulrich, im Sommer 2007

Liebesgrüße an „Bruder Atmosphäre“

Du, Bruder, du Reiner, du König des Lebens,
Du bist der wahre Herr in meinem Hause – noch!
Ohne dich wäre nichts – nirgendwo.
Du bist da, einfach so:
anfangslos,
zeitenlos,
grenzenlos,
himmelhoch,
sternenklar.

Du bist da, überall – drinnen und draußen.
Du bist da – Gotteswerk. Wie ich.
Atemzug auf Atemzug, wandle ich dich, welch Wunder.
Du spendest Leben, mein Leben, mein Erhalter.
Wer ist der Schöpfer, der Große?
Danke, oh Brahman.

Zukunft braucht Leben, Zukunft ist Rhythmus,
Zukunft ist einaus
Bläschen für Bläschen
ein
aus,
einaus,
einaus.
einaus.

Oh, Bruder, du Herrscher des Leben – aber auch des Todes.
Ganz schnell, ganz schnell – das ist der Zauber, dein göttliches Gesetz, wer gab es? –
kannst du giftig werden. Dann ist der Tod stärker als das Leben.
Mein Leben durch dich, mein AUS ist Gift – für einen Aushauch.
Das Leben, durch dich, ist ein EIN,
Nahrung meiner Nahrung,
oh Wunder.
Was wäre Mutter Erde ohne mein AUS?
Granitig-kahl.

Du zeigst es mir doch mit jedem Atemzug: ich sterbe nie, du bis ja bei mir.
Ich komme wieder, Äonen später und du wirst mich wieder empfangen, ganz gewiss.
Mein erster Schrei, du ergreifst die frischen Bläschen, du bringst mich zur Welt,
ganz tief ziehe ich dich hinein, jauchzend mit dem
Ahhh
entfachst du mein Leben,
bis zum
aumm
– dann bist du weg, und der Bläschenschwamm, er klumpt zusammen,
auch wenn du angegiftet bist – welch ein Leben wird das?

Verzeih.
Verzeih, meine Dummheit, mein Ego – jetzt bist du krank.
Mit unserer Dummheit ist die Welt gebaut, heute.
Auf unserer Rechnung bist du nur ein leerer Faktor, ein billiger:
Ein Mülleimer bist du - für unseren Dreck,
immer noch
immer mehr – das ist der Fehler im Denken der Zeitgenossen.

Verzeih, ich vergifte dich, aus Dummheit, aus Bequemlichkeit,
weil du in keine Rechnung passt.
Wo bleibt deine Rache? Wird sie fürchterlich? Vielleicht ist sie unterwegs, schon da!
Ich möchte nicht sterben, nicht so, in der Hitzewelle, im Hochwasser, im Landunter,
nein, das ist der Tod der Armen:
Mumbai unter Wasser, Kalkota erst recht,
Amsterdam auf Pfählen,
Hamburg liegt hinter dem Harz – sieht so deine Rache aus?

Wir haben alles im Griff, glaubten wir. Welch Irrtum.
Jetzt servierst du uns die heiße Rechung.
Wir brauchen eine andere Zukunft – Danke.
Fangen wir doch endlich an:
Mein Leben durch dich, mein AUS ist Gift – wie lange noch?

Ohne dich gäbe es keine reichen Bäuche, gewiss.
So groß bist du, du trägst das Leben ohne Ansehen – zu Getauften und Ungetauften – gewiss.
Zu jenen mit den reichen Bäuchen,
sie, die dich mit ihrem Luxus weiter vergiften und dabei von Gerechtigkeit reden.
Auch zu jenen Strichmenschen mit den hungrigen Augen, natürlich.
sie, die sich am täglich kokelnden Holzfeuer ihre Bläschen verstopfen,
Sie alle, ohne Ausnahme, sie leben von dir, das ist gerecht.
Ein Menschen-Wort, in dem die Zeit sich spiegelt, kaum mehr.

Denn, rettet die Solarlampe die Armen?
Heuchler, Unwissende glauben es.
Aber was befreit die Armen aus ihrer nachhaltigen Armut?
Die Solarlampe, die Solarzelle, die Biogasanlage, der Rotor?
Es lebe die Aktie – ist das Zukunft?
Was holt die Armen aus ihren Hütten?

Gewiss nicht die Weltbeschwerer, die Gedankenlosen –
die Armen mit den reichen satten Bäuchen.
Nun beschweren sie sich, ratloser, weil du dich wehrst – allen einheizt.
Das aber stand nicht auf ihrer Rechnung.
Du, König des Lebens, Weiser des Weges, du bist der Überwinder des Geistes der Zeit.

inuns
umuns
umunsherum
einaus
einaus
einaus.

Du wehrst dich – wir hätten es wissen müssen.
Bin ich schon tot oder lebe ich noch?
Was ist dein Maßstab? Dein Maßstab, er hätte der Maßstab des Menschen zu sein.
Noch aber sind wir gehbehindert, deinen Weg, den du uns weist, gehen zu können –
allein das wäre Zukunft.

Unser Weg in den Abgrund ist deine Vergiftung.

Verzeih.
Verzeih.
Verzeih.

Noch aber vernebelt die Wissenschaft unseren Blick auf das Leben.
Für sie bist du Chemie, ein Mix, für uns bist du Zukunft:
Du hast einen Leib, eine Seele – eine Unsterbliche.
Dein Geist ist für uns Zukunft – arme Wissenschaft.

Nach uns die Ewigkeit, für dich ein leichtes Spiel.
Nur wir, wir haben nichts begriffen, noch immer nicht.
Noch blasen wir weiter Milliarden Tonnen hinaus, einfach so, weiter so,
wir vergiften dich einfach, weiter so. Du bist unsere Krücke, weiterhin.

Wie viel Gift trennt uns vom Tod? Es wird nicht viel sein:
0.1
0,01
oder gar 0,001?
Wer zählt die Atome, die Moleküle, die Teilchen – unsere Bläschen, sie werden es spüren, sie werden ächzen, stöhnen, sich verstopfen – ihren Zauber verlieren,
dann, vielleicht schon morgen oder in 1000 Jahren, ist es soweit:

inuns
umuns
umunsherum
einaus
einaus
einaus

Vielleicht haben jene doch Recht, die schon immer sagten, folgenlos, der Teufel, der Teufel steckt in uns, es kämpft in uns – ich kann es nicht glauben, ich möchte es nicht mehr!

All unsere Taten sind Beweis für unsere Niederlagen? Lacht da der Ahriman?
Sicherlich wird er lachen, wie irr, und wir merken es nicht einmal.
Die Dämonen, sie werden schon wissen warum sie lachen.
Sie haben uns auf den Kopf gestellt – und noch immer merken wir es nicht.
Es ist zum totlachen. Lässt Luzifer grüßen?
Du bist unser Maßstab, begreift es doch!

Sein Werk, wie ich, und Du bist mein Bruder –
und der Himmel, unser Vater, und unsere Mutter, die Sonne –
vielleicht, vielleicht, ich möchte nicht daran denken, aber es hilft nichts –
sie weint, sicherlich, aber sie kommt wieder, wie du, das gibt Vertrauen,
macht Mut auch wenn du so gleichgültig sein kannst:
Wir, die du uns am Leben hälst, auf dem Weg in den Abgrund, – ehrlich, es rührt dich nicht. Das hat was!

Du tust deine Taten, 6,6 Milliarden brauchen dich, sie setzen auf dich, du gibst ihnen Leben – und die Folgen, sie rühren dich nicht, das hat was ganz Grosses.

Du Bruder, du Gebieter über Leben, über Tod und neues Leben.
Du vergehst nie, du bist allmächtig, ewiglich, unbegrenzt, umfassend –
keusch und rein, ohne Trieb, ohne Begierde.
Sind wir wirklich auf dem Weg zu dir?
Du bist so Groß, unser Vertrauen, so klein –
unser Erwachen, unser Aufstieg, es wird kommen, stärker, gewiss.

inuns
umuns
umunsherum
einaus
einaus
einaus

Jene die auf dem schmalen, schweren Pfad zum Geiste sind,
sie schätzen dich, sie kennen dich, sie wissen um dein Geheimnis,
sie nutzen deine ewigen Gesetze, welch Wunder.
Sie wissen um deine Kraft, deine Zauber, und sie haben die Weisheit, den Schlüssel zu dir,
sie verjüngen sich mit dir,
sie gesunden mit dir,
du förderst ihren Geist, Stufe um Stufe, es ist ihr Wille, nach deinen Gesetzen leben zu können.
Dir, ähnlicher werdend - nur mit dir, oh Bruder.
Zukunft braucht Leben, Zukunft ist Rhythmus.

Ist das neu?
Absolut nicht.
Jene, die dich kennen, sie knüpfen nur an, was vergessen aber selbstverständlich ist: Lebensgesetze.
Du bist ihnen Nahrung, Nektar.
Sie pflegen sich mit dir, sie schmiegen sich bei dir ein, du, der du auch so anders sein kannst:
dein brausendes, salziges See-Gesicht,
dein hechelndes Berg-Gesicht,
dein messerscharfes Schnee-Gesicht –
alles Äußerlichkeiten, alles zur gleichen Zeit, sie, die dich suchen, sie kommen zu dir, sie wissen warum:
Du wäscht unser Blut,
erneuerst stetig das Licht, die Musik in unseren Zellen,
damit Leben, damit Rhythmus unsere Zukunft beflüge.

Eindeutig, wir sind nicht auf Augenhöhe mit dir.
Denken ist Tat.
Noch gebiert unser Denken den Tod, vergiftet das Leben.
Was gibt unserem Denken den Drang den unsere Seele verspürt?
Wir sitzen in Fesseln am Busen der süßen Verführung – im Gift.
Wir haben den Geist abgegeben -
gehbehindert, blind, auf dem Kopfe stehend, noch.

Wir können dich nicht heilen, nur uns – durch dich.
Göttlicher Wille.
Oh, mein König.

Noch vergiften die Taten unseres Denkens dich.
Wir müssen unser Denken ändern, gewiss.

Schule des Denkens, was ist dein Maßstab?
Du bist unser Maßstab, lernen wir es dieses Mal?